Medizinisches Cannabis: Welche Cannabisprodukte gibt es?
Wer sich erstmals mit medizinischem Cannabis beschäftigt, denkt häufig zuerst an Cannabisblüten.
Tatsächlich stehen für die medizinische Anwendung jedoch unterschiedliche Cannabisprodukte und Darreichungsformen zur Verfügung.
Neben getrockneten Blüten gehören dazu beispielsweise Cannabisextrakte, Kapseln sowie Arzneimittel und Rezepturen mit Cannabinoiden wie THC oder CBD.
Die verschiedenen Produkte unterscheiden sich unter anderem hinsichtlich ihrer Zusammensetzung, Anwendung,
Wirkdauer und Dosierbarkeit. Welches Cannabisprodukt im individuellen Fall infrage kommt, lässt sich deshalb
nicht pauschal beantworten. Entscheidend sind die Beschwerden, das Therapieziel, bisherige Behandlungen,
mögliche Begleiterkrankungen und die ärztliche Einschätzung.
In diesem Beitrag zeigen wir, welche medizinischen Cannabisprodukte es gibt,
worin sie sich unterscheiden und welche Rolle THC, CBD und die jeweilige Darreichungsform spielen.
Das Wichtigste in Kürze
- ✓ Medizinisches Cannabis ist in unterschiedlichen Darreichungsformen verfügbar.
- ✓ Zu den bekanntesten Cannabisprodukten gehören Cannabisblüten und Cannabisextrakte.
- ✓ Darüber hinaus gibt es unter anderem Kapseln, Sprays und cannabinoidhaltige Arzneimittel beziehungsweise Rezepturen.
- ✓ Cannabisprodukte können unterschiedliche Mengen und Verhältnisse von THC und CBD enthalten.
- ✓ Ein hoher THC-Gehalt bedeutet nicht automatisch, dass ein Produkt medizinisch besser geeignet ist.
- ✓ Wirkung und Verträglichkeit können sich von Person zu Person deutlich unterscheiden.
- ✓ Die Auswahl des passenden Präparats sollte immer im Rahmen einer ärztlich begleiteten Therapie erfolgen.
Inhaltsverzeichnis
- Was sind medizinische Cannabisprodukte?
- 1. Medizinische Cannabisblüten
- 2. Cannabisextrakte
- 3. Medizinische Cannabis-Kapseln
- 4. Dronabinol und THC-Sprays
- 5. Nabiximols
- 6. Nabilon
- 7. CBD-Arzneimittel
- Welche Rolle spielen THC und CBD?
- Warum unterscheiden sich Cannabisblüten?
- Indica, Sativa und Hybrid – wie wichtig ist die Einteilung?
- Welche Darreichungsform ist geeignet?
- Wie wird ein Cannabisprodukt ausgewählt?
- Mögliche Nebenwirkungen
- Sind medizinische Cannabisprodukte verschreibungspflichtig?
- FAQ zu medizinischen Cannabisprodukten
- Fazit
Was sind medizinische Cannabisprodukte?
Der Begriff medizinische Cannabisprodukte umfasst verschiedene Arzneimittel und Zubereitungen,
die Cannabis oder daraus gewonnene Cannabinoide enthalten.
Dabei kann grundsätzlich zwischen Produkten aus der Cannabisblüte, Cannabisextrakten und Arzneimitteln
beziehungsweise Rezepturen mit bestimmten Cannabinoiden unterschieden werden. Zu den bekanntesten Wirkstoffen gehören
Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD).
Die Unterschiede zwischen den einzelnen Produkten sind medizinisch relevant. Während beispielsweise
Cannabisblüten mehrere Cannabinoide, Terpene und weitere Pflanzenbestandteile enthalten, können andere
Produkte gezielt definierte Mengen einzelner Cannabinoide enthalten.
| Cannabisprodukt | Typische Form | Besonderheit |
|---|---|---|
| Cannabisblüten | Getrocknete Blüten | Unterschiedliche THC-/CBD- und Terpenprofile |
| Cannabisextrakte | Flüssige beziehungsweise ölige Zubereitungen | Standardisierte Wirkstoffkonzentrationen möglich |
| THC/CBD-Kapseln | Kapseln | Definierte Wirkstoffmenge pro Kapsel möglich |
| Dronabinol | Zum Beispiel Lösung oder Spray | Enthält den Wirkstoff THC |
| Nabiximols | Mundspray | Definiertes Verhältnis von THC und CBD |
| Nabilon | Kapseln | Synthetisches Cannabinoid |
| CBD-Arzneimittel | Zum Beispiel Lösung zum Einnehmen | Enthalten gezielt CBD |
1. Medizinische Cannabisblüten
Cannabisblüten gehören zu den bekanntesten Formen von Medizinalcannabis.
Dabei handelt es sich um getrocknete Blüten der Cannabispflanze, deren pharmazeutische Qualität
kontrolliert wird.
Anders als bei einem Arzneimittel mit nur einem einzelnen Wirkstoff enthalten Cannabisblüten
eine Vielzahl verschiedener Pflanzenbestandteile. Dazu gehören insbesondere Cannabinoide
und Terpene.
Von besonderer Bedeutung sind die enthaltenen Mengen von THC und CBD. Deshalb werden medizinische
Cannabisblüten häufig anhand ihres Cannabinoidprofils beschrieben.
Ein Produkt kann beispielsweise einen relativ hohen THC-Gehalt und nur geringe Mengen CBD enthalten.
Andere Produkte besitzen ein ausgeglicheneres Verhältnis der beiden Cannabinoide.
Wie werden medizinische Cannabisblüten angewendet?
Bei einer ärztlich verordneten Therapie kann für Cannabisblüten eine inhalative Anwendung vorgesehen werden.
Hierfür werden im medizinischen Bereich insbesondere geeignete Verdampfer beziehungsweise Vaporizer verwendet.
Beim Verdampfen wird das Pflanzenmaterial erhitzt, ohne es wie bei einer Verbrennung vollständig zu verbrennen.
Die Wirkstoffe können dadurch über die Atemwege aufgenommen werden.
Die konkrete Anwendung, Temperatur, Menge und Häufigkeit sollten sich immer nach der ärztlichen Verordnung
und der individuellen Therapie richten.
Vorteile von Cannabisblüten
- große Auswahl unterschiedlicher Cannabinoidprofile
- unterschiedliche THC- und CBD-Konzentrationen verfügbar
- bei inhalativer Anwendung vergleichsweise schneller Wirkungseintritt möglich
- verschiedene Sorten und Terpenprofile verfügbar
Mögliche Nachteile von Cannabisblüten
- Dosierung kann komplexer sein als bei standardisierten Darreichungsformen
- Wirkung kann individuell unterschiedlich ausfallen
- THC kann psychoaktive Nebenwirkungen verursachen
- die richtige Produktauswahl kann eine ärztliche Anpassung erfordern
2. Cannabisextrakte
Eine weitere Möglichkeit sind medizinische Cannabisextrakte.
Dabei werden bestimmte Inhaltsstoffe aus der Cannabispflanze extrahiert und zu einer
pharmazeutischen Zubereitung verarbeitet.
Ein Vorteil standardisierter Extrakte besteht darin, dass die Konzentration der enthaltenen
Cannabinoide genauer definiert werden kann. Dadurch lässt sich die verordnete Wirkstoffmenge
vergleichsweise präzise bestimmen.
Je nach Präparat können Cannabisextrakte unterschiedliche THC- und CBD-Verhältnisse besitzen.
Es gibt sowohl THC-dominante als auch CBD-dominante und ausgewogenere Präparate.
Wie werden Cannabisextrakte angewendet?
Je nach Produkt können Cannabisextrakte beispielsweise oral beziehungsweise über die Mundschleimhaut
angewendet werden. Die genaue Anwendung hängt von der jeweiligen Zubereitung und ärztlichen Verordnung ab.
Bei einer oralen Aufnahme kann der Wirkungseintritt im Vergleich zur inhalativen Anwendung verzögert sein.
Dafür kann die Wirkung länger anhalten. Genau diese Unterschiede können bei der Auswahl der
Darreichungsform eine Rolle spielen.
3. Medizinische Cannabis-Kapseln
Neben Blüten und Extrakten können Cannabinoide auch in Form von Kapseln angeboten werden.
Ein Vorteil dieser Darreichungsform besteht darin, dass eine Kapsel eine definierte Wirkstoffmenge
enthalten kann. Dadurch lässt sich die Einnahme einfach in einen ärztlich festgelegten Dosierungsplan integrieren.
Ein konkretes Beispiel sind die
Waterclear Balanced THC/CBD Kapseln mit 10 mg THC und 10 mg CBD
.
Sie enthalten ein ausgeglichenes Verhältnis von THC und CBD und unterscheiden sich damit beispielsweise
von stark THC-dominierten Cannabisprodukten.
Da Kapseln oral eingenommen werden, unterscheidet sich ihr Wirkungsverlauf von der inhalativen Anwendung
von Cannabisblüten. Der Wirkungseintritt kann verzögert erfolgen, während die Wirkung gleichzeitig
über einen längeren Zeitraum anhalten kann.
Gerade deshalb ist es wichtig, die Wirkung nicht vorschnell zu beurteilen oder eigenständig nachzudosieren.
Die konkrete Dosierung und Einnahme sollte sich nach der ärztlichen Verordnung richten.
Welche Vorteile können Cannabis-Kapseln bieten?
- definierte Wirkstoffmenge pro Kapsel
- einfache und diskrete Einnahme
- keine Inhalation erforderlich
- THC und CBD können in einem festgelegten Verhältnis kombiniert werden
- Integration in einen festen Einnahmeplan möglich
4. Dronabinol und THC-Sprays
Dronabinol ist eine pharmazeutische Bezeichnung für Delta-9-Tetrahydrocannabinol,
also THC.
Dronabinol kann in unterschiedlichen Darreichungsformen verordnet werden. Dazu können beispielsweise
ölige Zubereitungen oder Sprays gehören.
Ein Beispiel für eine solche Darreichungsform ist das
Dronabinol THC-Spray Pfefferminze mit 25 mg/ml
.
Das Spray ermöglicht eine Anwendung von Dronabinol ohne die Verwendung von Cannabisblüten.
Im Unterschied zu Cannabisblüten steht bei Dronabinol nicht das gesamte natürliche Stoffgemisch
der Pflanze im Mittelpunkt. Die Therapie erfolgt gezielt über den Wirkstoff THC.
Dadurch kann die Wirkstoffmenge vergleichsweise genau eingestellt werden. Gleichzeitig müssen auch
bei Dronabinol die typischen möglichen Wirkungen und Nebenwirkungen von THC berücksichtigt werden.
Was unterscheidet Dronabinol-Spray von Cannabisblüten?
Der wesentliche Unterschied liegt in der Zusammensetzung und Anwendung.
Cannabisblüten enthalten neben THC beziehungsweise CBD zahlreiche weitere Pflanzenbestandteile.
Bei einem Dronabinol-Präparat steht dagegen THC als definierter Wirkstoff im Mittelpunkt.
Zudem ist für ein Spray keine inhalative Anwendung erforderlich. Welche Variante im individuellen
Fall geeigneter ist, hängt vom Therapieziel, der erforderlichen Dosierung und der ärztlichen
Beurteilung ab.
5. Nabiximols
Zu den cannabinoidhaltigen Fertigarzneimitteln gehört auch Nabiximols.
Dabei handelt es sich um einen Cannabisextrakt mit THC und CBD in einem definierten Verhältnis,
der als Spray zur Anwendung in der Mundhöhle eingesetzt wird.
Die Anwendung unterscheidet sich damit sowohl von Cannabisblüten als auch von klassischen
oral eingenommenen Cannabisprodukten.
Nabiximols wird für bestimmte medizinische Anwendungsgebiete eingesetzt. Ob ein solches Präparat
geeignet ist, hängt von der jeweiligen Erkrankung und ärztlichen Beurteilung ab.
6. Nabilon
Nabilon ist ein synthetisch hergestelltes Cannabinoid und strukturell mit THC verwandt.
Es wird als Arzneimittel eingesetzt und ist beispielsweise in Kapselform verfügbar.
Damit unterscheidet sich Nabilon deutlich von Cannabisblüten oder pflanzlichen Cannabisextrakten:
Der Wirkstoff stammt nicht unmittelbar aus einer getrockneten Cannabisblüte.
Auch hier ist der Einsatz auf bestimmte medizinische Situationen ausgerichtet und sollte ausschließlich
nach ärztlicher Beurteilung erfolgen.
7. CBD-Arzneimittel
Neben THC spielt Cannabidiol (CBD) eine wichtige Rolle innerhalb der Cannabinoidmedizin.
CBD verursacht im Gegensatz zu THC keinen klassischen Cannabis-Rausch.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jedes frei erhältliche CBD-Produkt automatisch ein medizinisches
Cannabisprodukt oder Arzneimittel ist.
Zwischen frei verkäuflichen CBD-Produkten und zugelassenen beziehungsweise ärztlich eingesetzten
CBD-Arzneimitteln bestehen erhebliche Unterschiede hinsichtlich Qualität, Wirkstoffkonzentration,
Anwendungsgebiet und regulatorischem Status.
Bestimmte CBD-Arzneimittel werden beispielsweise bei speziellen Erkrankungen eingesetzt.
Eine allgemeine medizinische Wirkung von CBD für beliebige Beschwerden lässt sich daraus nicht ableiten.
Welche Rolle spielen THC und CBD bei Cannabisprodukten?
Bei der Einordnung medizinischer Cannabisprodukte werden besonders häufig die beiden Cannabinoide
THC und CBD betrachtet.
THC ist vor allem für die psychoaktive Wirkung von Cannabis verantwortlich. Gleichzeitig besitzt es
pharmakologische Eigenschaften, die im medizinischen Kontext relevant sein können.
CBD wirkt anders als THC und löst keinen typischen Cannabis-Rausch aus. Auch seine möglichen
therapeutischen Wirkungen werden wissenschaftlich untersucht und für bestimmte Arzneimittel genutzt.
| Eigenschaft | THC | CBD |
|---|---|---|
| Psychoaktive Wirkung | Ja | Kein klassischer Cannabis-Rausch |
| In Cannabisblüten enthalten | Ja | Ja |
| Gehalt je Produkt unterschiedlich | Ja | Ja |
| Als Bestandteil medizinischer Produkte | Ja | Ja |
Wichtig ist dabei: Mehr THC bedeutet nicht automatisch eine bessere medizinische Wirkung.
Ein hoher THC-Gehalt kann gleichzeitig das Risiko unerwünschter Wirkungen erhöhen.
Bei einer medizinischen Therapie geht es deshalb nicht darum, ein möglichst starkes Cannabisprodukt
auszuwählen. Ziel ist vielmehr eine möglichst geeignete Wirkstoffzusammensetzung und Dosierung
für die individuelle medizinische Situation.
Warum unterscheiden sich medizinische Cannabisblüten so stark?
Wer sich verschiedene Cannabisblüten ansieht, bemerkt schnell große Unterschiede.
Neben verschiedenen Produktnamen unterscheiden sich die Blüten unter anderem hinsichtlich
THC-Gehalt, CBD-Gehalt, Genetik und Terpenprofil.
THC-Gehalt
Der THC-Gehalt gibt an, wie hoch der Anteil von Tetrahydrocannabinol im jeweiligen Produkt ist.
Zwischen verschiedenen medizinischen Cannabisblüten können erhebliche Unterschiede bestehen.
Ein höherer Wert ist dabei nicht automatisch medizinisch vorteilhafter. Welche Konzentration geeignet ist,
hängt unter anderem von der bisherigen Cannabinoid-Exposition, der individuellen Empfindlichkeit,
dem Therapieziel und möglichen Nebenwirkungen ab.
CBD-Gehalt
Viele Cannabisblüten enthalten vergleichsweise wenig CBD. Es existieren jedoch auch
Produkte mit höheren oder ausgewogeneren CBD-Anteilen.
Das Verhältnis zwischen THC und CBD kann für die ärztliche Produktauswahl relevant sein.
Terpene
Terpene sind aromatische Pflanzenstoffe und verantwortlich für einen großen Teil des charakteristischen
Geruchs und Geschmacks verschiedener Cannabissorten.
Zu häufig vorkommenden Terpenen gehören beispielsweise Myrcen, Limonen, Linalool,
Beta-Caryophyllen und Pinen.
Ihre genaue Bedeutung für die medizinische Wirkung von Cannabis wird weiterhin wissenschaftlich untersucht.
Deshalb sollten aus einzelnen Terpenen keine sicheren therapeutischen Wirkungen abgeleitet werden.
Indica, Sativa und Hybrid – wie wichtig ist diese Einteilung?
Cannabisprodukte werden häufig als Indica, Sativa oder Hybrid bezeichnet.
Diese Einteilung ist vielen Patientinnen und Patienten bekannt und kann eine grobe Orientierung zur
genetischen Herkunft einer Sorte geben.
Für eine medizinische Beurteilung ist diese Bezeichnung allein jedoch nur begrenzt aussagekräftig.
Zwei als „Indica“ bezeichnete Produkte können beispielsweise unterschiedliche THC-Gehalte,
CBD-Gehalte und Terpenprofile besitzen.
Entscheidender sind deshalb die tatsächlichen Eigenschaften des jeweiligen Produkts sowie
die individuelle Reaktion der Patientin oder des Patienten.
Bei einer ärztlich begleiteten Therapie können unter anderem folgende Faktoren wichtiger sein:
- THC-Konzentration
- CBD-Konzentration
- Verhältnis von THC zu CBD
- Darreichungsform
- Dosierung
- Wirkungseintritt
- Wirkdauer
- individuelle Verträglichkeit
Welche Darreichungsform von medizinischem Cannabis ist geeignet?
Eine allgemein „beste“ Darreichungsform gibt es nicht. Cannabisblüten, Extrakte,
Kapseln und Sprays besitzen unterschiedliche Eigenschaften, die abhängig vom Therapieziel
Vor- oder Nachteile haben können.
| Darreichungsform | Anwendung | Typische Besonderheit |
|---|---|---|
| Cannabisblüten | Häufig inhalativ | Vergleichsweise schneller Wirkungseintritt möglich |
| Cannabisextrakte | Je nach Präparat beispielsweise oral | Standardisierte Konzentrationen möglich |
| THC/CBD-Kapseln | Oral | Definierte Wirkstoffmenge pro Kapsel möglich |
| Dronabinol THC-Spray | Spray | Definierte THC-Konzentration |
Welche Variante medizinisch sinnvoller ist, hängt deshalb unter anderem davon ab,
wann eine Wirkung benötigt wird, wie lange sie anhalten soll und wie gut die jeweilige
Darreichungsform vertragen wird.
Wie wird das passende medizinische Cannabisprodukt ausgewählt?
Die Auswahl sollte nicht ausschließlich anhand eines Sortennamens oder des höchsten THC-Wertes erfolgen.
Stattdessen betrachtet die Ärztin oder der Arzt die gesamte medizinische Situation.
Dabei können beispielsweise folgende Faktoren berücksichtigt werden:
- Art und Ausprägung der Beschwerden
- Dauer der Erkrankung
- Therapieziel
- bisherige Behandlungen
- frühere Erfahrungen mit Cannabinoiden
- Begleiterkrankungen
- andere eingenommene Medikamente
- Risiko möglicher Wechselwirkungen
- THC- und CBD-Gehalt
- gewünschter Wirkungseintritt
- erforderliche Wirkdauer
- individuelle Verträglichkeit
Gerade zu Beginn einer Cannabistherapie kann es notwendig sein, Dosierung und Präparat schrittweise
anzupassen. Die individuell geeignete Dosis kann sich erheblich von der Dosis anderer Patientinnen
und Patienten unterscheiden.
Ist ein hoher THC-Gehalt besser?
Nein. Ein häufiges Missverständnis besteht darin, die Stärke eines Cannabisprodukts mit seiner
medizinischen Qualität gleichzusetzen.
Ein Produkt mit 30 Prozent THC ist nicht automatisch besser geeignet als eines mit beispielsweise
20 Prozent THC. Bei empfindlichen Personen kann eine hohe THC-Dosis sogar leichter unerwünschte
Wirkungen hervorrufen.
Entscheidend ist deshalb nicht die höchstmögliche Wirkstoffkonzentration,
sondern die individuell geeignete Dosierung und Zusammensetzung.
Welche Nebenwirkungen können Cannabisprodukte verursachen?
Auch medizinisches Cannabis kann Nebenwirkungen verursachen. Das gilt insbesondere für
THC-haltige Produkte.
Mögliche unerwünschte Wirkungen können unter anderem sein:
- Müdigkeit oder Benommenheit
- Schwindel
- Konzentrationsprobleme
- Beeinträchtigung von Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen
- Mundtrockenheit
- Herzklopfen beziehungsweise veränderter Puls
- Unruhe
- Angstgefühle
- Stimmungsschwankungen
Welche Nebenwirkungen auftreten und wie ausgeprägt sie sind, hängt unter anderem von der
Dosierung, der Darreichungsform, dem THC-Gehalt, der individuellen Empfindlichkeit und
anderen Medikamenten ab.
Besonders zu Beginn einer Therapie oder nach einer Dosisänderung kann die individuelle
Reaktion schwer vorhersehbar sein. Veränderungen oder auffällige Nebenwirkungen sollten
deshalb ärztlich besprochen werden.
Cannabis und Autofahren: Was muss beachtet werden?
THC kann Wahrnehmung, Reaktionsfähigkeit und Aufmerksamkeit beeinflussen. Deshalb ist die
Teilnahme am Straßenverkehr ein besonders wichtiger Aspekt einer Cannabistherapie.
Eine ärztliche Verordnung bedeutet nicht automatisch, dass zu jedem Zeitpunkt sicher Auto
gefahren werden kann. Entscheidend sind unter anderem die konkrete Wirkung, die Dosierung,
mögliche Nebenwirkungen und die individuelle Fahrtüchtigkeit.
Sind medizinische Cannabisprodukte verschreibungspflichtig?
Ja. Medizinalcannabis ist in Deutschland verschreibungspflichtig.
Ob eine Behandlung medizinisch sinnvoll und vertretbar ist, muss ärztlich beurteilt werden.
Seit dem 1. April 2024 wird Cannabis zu medizinischen Zwecken in Deutschland über das
Medizinal-Cannabisgesetz geregelt und grundsätzlich nicht mehr wie zuvor als Betäubungsmittel eingestuft.
Die Verschreibungspflicht besteht jedoch weiterhin.
Das bedeutet: Auch Cannabisblüten, Cannabisextrakte und entsprechende cannabinoidhaltige
Produkte können nicht einfach aufgrund einer persönlichen Präferenz als medizinische Therapie
eingesetzt werden. Voraussetzung ist eine ärztliche Beurteilung und entsprechende Verordnung.
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Du möchtest wissen, ob eine Behandlung mit medizinischem Cannabis bei Deinen Beschwerden
grundsätzlich infrage kommen könnte?
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Ob eine Behandlung und welches Cannabisprodukt geeignet sein könnte, entscheidet die behandelnde
Ärztin oder der behandelnde Arzt nach individueller Prüfung.
Häufige Fragen zu medizinischen Cannabisprodukten
Welche medizinischen Cannabisprodukte gibt es?
Zu medizinisch eingesetzten Cannabisprodukten gehören unter anderem getrocknete Cannabisblüten,
Cannabisextrakte sowie cannabinoidhaltige Arzneimittel und Rezepturen. Cannabinoide können außerdem
in unterschiedlichen Darreichungsformen wie Kapseln, Lösungen oder Sprays eingesetzt werden.
Gibt es medizinisches Cannabis als Kapseln?
Ja. Cannabinoide können auch in Kapselform eingesetzt werden. Dabei können definierte Mengen
von THC und CBD enthalten sein. Ein Beispiel sind die
Waterclear Balanced THC/CBD Kapseln mit 10 mg THC und 10 mg CBD
.
Welche Darreichungsform geeignet ist, muss individuell ärztlich beurteilt werden.
Gibt es medizinisches Cannabis als Spray?
Cannabinoide können auch als Spray angewendet werden. Ein Beispiel ist ein
Dronabinol THC-Spray mit 25 mg/ml
.
Daneben gibt es weitere cannabinoidhaltige Sprays beziehungsweise Fertigarzneimittel.
Was ist der Unterschied zwischen Cannabisblüten und Cannabisextrakten?
Cannabisblüten bestehen aus getrocknetem Pflanzenmaterial und enthalten ein Gemisch verschiedener
Cannabinoide, Terpene und weiterer Pflanzenbestandteile. Cannabisextrakte werden aus der Pflanze
gewonnen und können standardisierte beziehungsweise genau definierte Konzentrationen bestimmter
Cannabinoide enthalten.
Welche Cannabisblüten sind medizinisch am besten?
Eine allgemein beste Cannabissorte gibt es nicht. Entscheidend sind unter anderem Beschwerden,
Therapieziel, THC- und CBD-Gehalt, Dosierung, Verträglichkeit und individuelle Reaktion.
Die Produktauswahl sollte deshalb ärztlich erfolgen.
Ist Cannabis mit viel THC besser?
Nein. Ein höherer THC-Gehalt bedeutet nicht automatisch eine bessere medizinische Wirkung.
Eine höhere THC-Dosis kann auch das Risiko unerwünschter psychoaktiver Wirkungen erhöhen.
Die passende Wirkstoffmenge ist individuell verschieden.
Was ist der Unterschied zwischen THC und CBD?
THC besitzt eine psychoaktive Wirkung und kann einen Cannabis-Rausch auslösen.
CBD verursacht keinen klassischen Cannabis-Rausch und besitzt ein anderes pharmakologisches
Wirkprofil. Beide Cannabinoide können Bestandteil medizinischer Cannabisprodukte sein.
Was ist Dronabinol?
Dronabinol bezeichnet Delta-9-Tetrahydrocannabinol beziehungsweise THC.
Dronabinol kann als Wirkstoff in unterschiedlichen pharmazeutischen Zubereitungen eingesetzt werden.
Was ist ein Cannabisextrakt?
Bei einem Cannabisextrakt werden Wirkstoffe aus der Cannabispflanze extrahiert und anschließend
zu einer pharmazeutischen Zubereitung verarbeitet. Je nach Produkt können unterschiedliche
Konzentrationen und Verhältnisse von THC und CBD enthalten sein.
Was ist besser: Cannabisblüten, Kapseln oder Extrakt?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Die verschiedenen Darreichungsformen unterscheiden
sich unter anderem hinsichtlich Anwendung, Wirkungseintritt, Wirkdauer und Dosierbarkeit.
Welche Form geeignet ist, hängt vom individuellen Therapieziel und der ärztlichen Beurteilung ab.
Kann ich selbst auswählen, welches Cannabisprodukt ich bekomme?
Patientinnen und Patienten können ihre bisherigen Erfahrungen und Präferenzen mit der Ärztin oder dem
Arzt besprechen. Die medizinische Entscheidung über Wirkstoff, Präparat und Verordnung sollte jedoch
auf Grundlage der individuellen gesundheitlichen Situation getroffen werden.
Sind medizinische Cannabisprodukte rezeptpflichtig?
Ja. Medizinalcannabis ist in Deutschland verschreibungspflichtig.
Eine Verordnung setzt eine ärztliche Beurteilung voraus.
Fazit: Cannabisprodukt ist nicht gleich Cannabisprodukt
Medizinisches Cannabis umfasst deutlich mehr als klassische Cannabisblüten.
Je nach medizinischer Situation stehen unterschiedliche Produkte und Darreichungsformen zur Verfügung.
Dazu gehören unter anderem Cannabisblüten, Cannabisextrakte, Kapseln,
Dronabinol-Zubereitungen und weitere cannabinoidhaltige Arzneimittel.
Die Produkte unterscheiden sich hinsichtlich Zusammensetzung, THC- und CBD-Gehalt,
Wirkungseintritt, Wirkdauer, Anwendung und Dosierbarkeit.
Eine pauschale Empfehlung für ein bestimmtes Produkt ist deshalb nicht sinnvoll.
Auch Sortenbezeichnungen oder besonders hohe THC-Werte reichen nicht aus,
um die medizinische Eignung zu beurteilen.
Entscheidend ist vielmehr, welches Präparat und welche Dosierung zur individuellen Erkrankung,
zum Therapieziel und zur persönlichen Verträglichkeit passen. Diese Entscheidung sollte
gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt getroffen und während der Therapie regelmäßig überprüft werden.
Wer sich über unterschiedliche Darreichungsformen informieren möchte, findet bei DocNow24
beispielsweise
THC/CBD-Kapseln
sowie
Dronabinol THC-Spray
.
Ob eines dieser Produkte im individuellen Fall medizinisch geeignet ist, entscheidet die behandelnde
Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Transparenzhinweis
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle
ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Ob medizinisches Cannabis für eine bestimmte
Erkrankung oder bestimmte Beschwerden infrage kommt, muss immer individuell ärztlich beurteilt werden.
Wirkungen und Nebenwirkungen können von Person zu Person unterschiedlich ausfallen.
Autor: Dr. Klaus Reimund
Stand: 24.08.2026
Nächste redaktionelle Prüfung: innerhalb von 120 Tagen



